Bildungskonzept

Auftrag verstehen, Orientierung entwickeln

BNE ist nicht optional, sondern ein verbindlicher Bildungsauftrag. Wissenschaftlich diskutierte Ansätze zeigen, was nötig ist, um Lernende zur aktiven Beteiligung an einer nachhaltigen Entwicklung zu befähigen.

„BNE hat die Aufgabe, uns angesichts der komplexen Heraus­­forderungen des 21. Jahr­­hunderts zu zukunfts­­fähigem Denken und Handeln zu befähigen. Insbesondere unsere Schulen sind im Rahmen ihres Bildungs- und Erziehungs­­auftrages dazu aufgefordert, Kindern und Jugend­lichen in Unter­richt, in schulischen Projekten und im Schul­­alltag den Erwerb, den Ausbau und die Anwendung der dafür notwendigen Kenntnisse und Kompetenzen zu ermöglichen.“

Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Leitlinie Bildung für nachhaltige Entwicklung)

Bildungsauftrag

Weiterführende Links und Literatur

  • Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen
  • KMK –  Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland
  • UNESCO

Wissenschaftlicher Diskurs

In den Bildungswissenschaften werden unterschiedliche Ansätze von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE 1, 2 und 3) diskutiert.

Wissenschaftliche Grundlage

„Zunehmende Extrem­­wetter­­ereignisse oder auch die mediale Bericht­­erstat­tung über die Klima­­krise sind irritierende Lern­­anlässe (…). Für die Forschung heißt es zu verstehen, wie sich Menschen zu den Lern­­anlässen verhalten, wie sie diese (…) mit anderen bearbeiten und ob und wie sie ihre Bedeutungs­­perspektiven verändern.“

Mandy Singer-Brodowski

BNE 1

„Bildung“ FÜR nachhaltige Entwicklung

  1. Worum geht es? BNE 1 zielt darauf, Wissen, Werte und Verhaltens­weisen zu vermitteln, die als nachhaltig gelten. Dahinter steht die Annahme, dass Zukunft in ihren Entwick­lungen vorhersehbar und durch nachhaltige Verhaltens­weisen steuerbar ist. BNE 1 fokussiert primär direkt beobachtbare, verhaltens­orientierte Lern­ziele.
  2. Was ermöglicht der Ansatz?BNE 1 bietet klare Orientierung und Sicherheit. Konkrete Handlungs­möglichkeiten sind leicht verständlich und im Alltag niederschwellig umsetzbar, was insbesondere in Krisensituationen Halt geben kann.
  3. Wo liegen Herausforderungen?Durch die starke Fokussierung auf individuelles Handeln besteht die Gefahr, dass strukturelle und institutionelle Bedingungen ausgeblendet werden. Lösungs­ansätze können moralisierend wirken oder als indoktrinierend erlebt werden. Komplexe Nachhaltig­keits­fragen werden mitunter vereinfacht und vor allem über Technik, Effizienz oder Konsum bearbeitet.

BNE 2

Bildung ALS nachhaltige Entwicklung

  1. Worum geht es?BNE 2 versteht Bildung als offenen Prozess. Im Mittel­punkt steht die Befähigung zur kritisch reflektierten und diskursiven Auseinander­setzung mit Nachhaltig­keits­fragen. Ziel ist die Förderung von Kompetenzen zur selbst­ständigen Orientierung und Urteils­bildung angesichts komplexer und wider­sprüchlicher Zukunfts­fragen.
  2. Was ermöglicht der Ansatz?BNE 2 stärkt individuelle Kompetenzen wie Reflexions­fähigkeit, Urteils­vermögen, Perspektiv­übernahme und Diskurs­fähigkeit. Sie fördert Mündig­keit, indem Lernende lernen, Positionen nicht unreflektiert zu übernehmen, sondern selbst zu entwickeln und begründet zu vertreten.
  3. Wo liegen Herausforderungen?Obwohl gesell­schaft­liche Rahmen­bedingungen mitgedacht werden, bleibt BNE 2 vor allem auf die diskursive Auseinander­setzung und individuelle Urteils­bildung ausgerichtet. Der fehlende Über­gang zu gemein­samem oder strukturell wirksamem Handeln kann als unbefriedigend erlebt werden und Ohnmachts­gefühle hervor­rufen. Fehlen zudem gemeinsame Orientierungen, besteht die Gefahr, dass Diskus­sionen beliebig werden.

BNE 3

Lernen in Verbindung mit einer sich verändernden Welt

  1. Worum geht es?BNE 3 begreift Bildung als Teil fort­laufender gesell­schaft­licher und sozial-ökologischer Trans­formations­prozesse. Zukunft gilt als offen und wird durch eine Viel­zahl miteinander verwobener Entscheidungs­prozesse geformt. Lernen ist bei BNE 3 in einen gemein­samen Prozess eingebettet, in dem Raum fürs Ausprobieren und Aushandeln gegeben ist. Ziel ist es, kollektive Handlungs­fähigkeit auf Grundlage eines Verständnisses zu entwickeln, das Mensch und Umwelt als miteinander verflochten anerkennt.
  2. Was ermöglicht der Ansatz?BNE 3 nimmt die Komplexität und Krisen einer sich verändernden Welt ernst und eröffnet durch gemeinsame Aushandlungs­prozesse und Sinn­konstruktionen Lern­räume zur Entwicklung kollektiver Handlungs­fähigkeit. Emotionen werden als Teil krisen­bezogener Unsicher­heiten anerkannt und als relevante Bestand­teile von Lern­prozessen einbezogen. Lernende setzen sich dabei selbst in Beziehung zu einer sich verändernden Welt und können darin eine Grundlage für die Entwicklung konstruktiver Hoffnungs­perspektiven finden.
  3. Wo liegen Herausforderungen?Transformativ intendierte Aktivitäten laufen Gefahr, symbolisch zu bleiben, wenn sie nicht mit Veränderungen struktureller Rahmen­bedingungen einhergehen. Wird die Befähigung der einzelnen im Rahmen der kollektiven Prozesse nicht mitgedacht und begleitet, kann es zur Überforderung führen.

Alle drei Ansätze kombinieren

BNE 1–3 zusammen gedacht

Werden BNE 1, BNE 2 und BNE 3 als miteinander verbundene Dimensionen gefasst, wird BNE als ein Lern- und Gestaltungs­prozess verstanden, der Orientierung durch nachvoll­ziehbare Handlungs- und Wertbezüge bietet, kritische Reflexion im Sinne eigen­ständiger Urteils­bildung und Perspektiven­vielfalt ermöglicht und kollektive Handlungs­fähigkeit in gemeinsamen Aushandlungs- und Gestaltungs­prozessen stärkt. Dabei werden Emotionen als relevanter Bestandteil von Lern­prozessen einbezogen. Lernende setzen sich in diesem Prozess selbst in Beziehung zu einer sich verändernden Welt, reflektieren bestehende Lösungs- und Verhaltens­orientierungen und überführen Reflexion in gemeinsame Aushandlung. Geteilte Werte tragen zur Stabilisierung offener Gestaltungs­prozesse bei und ermöglichen die Entwicklung begründeter Orientierungen, reflexiver Urteils­fähigkeit und kollektiver Handlungs­fähigkeit. Ziel ist es, Lernende dazu zu befähigen, nachhaltige Entwicklung nicht nur zu verstehen oder zu diskutieren, sondern sie gemeinsam auszuhandeln, zu erproben und sichtbar zu gestalten.